Prada Som

Nicht zum ersten Mal …

In Allgemein on 16. Mai 2012 at 12:19 pm

… in meinem Leben stelle ich mir die Frage, wer ich bin, und sie öffentlich zu stellen, finde ich, der kaum etwas peinlich ist, sogar ein bißchen peinlich. Aber nun in dem anschwellenden Geplapper aus sämtlichen deutschen  Himmelsrichtungen, die mittendrin sind, sich an einem Thema zu überheben, muß auch ich mich fragen: Bin ich eine Urheberin? Sofern das irgendetwas mit Gewichten zu tun hat, muß ich sagen: Nein. Sofern das irgendetwas mit Büchern zu tun hat: Nein. Sofern das etwas mit bebildertem Klatsch zu tun: JAAAAAAAAA! und sofern das etwas damit zu tun hat, Schätze zu heben, wieder: JAAAAAAAAAA!  Wer nun wissen will, wie  jemand aussieht, der das schreibt, den enttäusche ich, denn es gab noch nie ein Bild von mir im Netz und wird auch nie eines geben, facebook ist primitiv, weil ästhetisch zweifelhaft und ein Ramschartikel wie das Zeug von Rudis Resterampe. Ich ziehe auch den Pho bei Kon Lee bei weitem irgendwelchen Massenburgern vor und kaufe lieber in einem kleinen Laden ein als in den quadratkilometergroßen Billigzentren wo die Tomaten nach Turnschuhen schmecken und die Turnschuhe aussehen, als seien sie für einen  Moonwalk gemacht. Das alles letztlich ist aber Geschmackssache,  abgesehen davon wird jedoch der Einfluß und die Nachwirkung von Geschmack bei weitem unterschätzt. Daß die meisten Menschen Zungen wie Betonmischmaschinen haben, macht die Situation weltweit nicht einfacher. Im Sinne des Buches bin ich also keine Urheberin, im Sinne des Geschmacks bin ich als solche geboren, und meine Lieben, mag da schreien und schreiben und klauen, wer da will, ich werde es bleiben!

Ich würde sagen, die, die so gern wildern und entgrenzen  möchten, verkennen nicht nur das Problem, sondern auch, daß sie möglicherweise selber einer oder eine sind. Was meinen Sie:

 

Wer von diesen ist wohl ein Urheber? Und wer waren die Urheber dessen, worauf sie sitzen? Ein gewisser Herr Chevel schreibt, deutsche Autoren würden nicht bloggen, und der etwas uninformierte Herr scheint dabei sämtliche, zum Teil sehr außergewöhnliche Autoren zu übersehen, die überaus interessant bloggen, und das seit Jahren, zum Beispiel Alban Nikolai Herbst, der als Autor nicht nur das bloggen erfunden zu haben scheint sondern sich bloggend als Autor ständig neu erfindet und abgesehen davon gemeinsam mit  einer anderen deutschen Autorin bereits 2001 einen Roman geschrieben hat – INZEST oder DIE ENTSTEHUNG DER WELT – der aus emails, handschriftlichen Briefen und verschiedenen anderen Textarten besteht und Dank des guten alten Zeitschriftenformats immer noch käuflich zu erwerben, sowie die dazu gehörige Materialsammlung, Vor-, Urheber- und Herausgebergeschichte Dank des Internets auf www.schreibheft.de kostenlos immer noch nachzulesen ist.

Letztlich allerdings ist es mit dem Urheberrecht dann doch eine Frage des Geldes und des Lebens, denn der uninformierte Herr meint tatsächlich, daß Autorenhonorare bei Lesungen zwischen fünfhundert und tausend Euro liegen, was zeigt, daß er ganz sicher – wer immer er auch sein mag – kein öffentlich lesender Autor ist und also über etwas schreibt, von dem er keine Ahnung hat, wie, glaube ich, viele in dieser Debatte. Im angelsächsischem Raum bekommen Autoren übrigens, wenn sie lesen, gar nichts.  Aber das nur nebenbei.  Es ist  vermutlich nicht nur eine Frage des Geldes (das leider immer sehr unterschätzt wird: die Sache  mit dem Dach über dem Kopf, z.B., man tut hier so, als seien alle möglichen Autoren

 

 

diese auch? grundsätzlich Kapitalisten, dabei ist es eher umgekehrt und unter denen, die die Urheber beklauen findet man die Kapitalisten … wie man an den im großen Stil kopierten Edelmarken erkennen kann, die zu Millionen auf der Welt vertrieben werden, hergestellt in China, aber nicht nur da!!!!, vertrieben  selbst im noch so ärmlichen Bazar in Dushanbe, gefördert mit deutschen Mikrokrediten …)

Mir scheint es abgesehen von der leidigen Frage des Geldes und der, wovon man sonst leben soll, eher eine Frage der Identität, des Selbstbildes und der notwendigen Form, eine der erkennbaren Grenze, die das Netz nicht hat, und verschwimmende Grenzen sind für unsere Spezies lebensgefährlich. Man lese bitte ein bißchen nach bei Piaget, wie lebensgefährlich das Grenzenlose für uns Menschen werden kann. Ein Buch für einen Autor ist das greifbare Ergebnis seiner Arbeit wie das Tafelbild, die Skulptur, der Film oder das Video für einen bildenden Künstler, das konkrete Kleid für einen Modeschöpfer, der Stuhl oder das Haus für einen  Designer oder Architekten. Das Konkrete, physisch Greifbare ausschließlich gegen etwas Verschwimmdendes, Virtuelles, nicht mehr zu Ortendes einzutauschen lehrt uns das  Fürchten wie der nicht mehr sichtbare Horizont unsere Balance kippt.  Noch einen vorletzten Satz zum blog, denn dieser hier ist immerhin auch einer … viele Autoren – und damit sind nicht nur die literarischen gemeint – brauchen eine lange Inkubationszeit für das, was sie ausbrüten oder generieren, worin Nachdenken mitunter auch eine Rolle spielt. blogs – wie dieser hier – sind fastfood. Sowohl für den, der sie zubereitet, als auch für  den, der sie täglich frißt. Man mag viel davon zu sich nehmen, nach einer Stunde hat man wieder Hunger. Und sowohl von Burgern als auch vom Hocken vor blogs wie vom bloggen im Netz wird man fett. Guten Appetit und bis bald – aber nicht ganz so  bald: Eure schreibend dilettierende Freundin (die übrigens auch des öfteren in Romanen erscheint und das nicht missen möchte. Persönlich. Ich liebe diese Auftritte. So im letzten von Barbara Bongartz. Ich zahle sogar dafür!) Prada Som.

 

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