Prada Som

Berlin is calling …

In 1 on 15. April 2010 at 10:03 am

Das ist das Elternhaus meiner Mutter, eingebettet in eine Landschaft aus ästhetischen Reminizenzen, die unauslöschlich mit ihr verbunden sind … die Federblüten, die sie immer an ihren Kostümen trug, die Carrées d’Hermès, die an ihren Handtaschen baumelten, der großzügige Schmuck … die nackte Photographie des Hauses schmerzt mich zu sehr – es stand irgendwo etwas außerhalb von Berlin, der Geburtsstadt meiner Mutter. Ich bin nie dort gewesen. Nachdem sie nach London gezogen ist, wurden ihre Eltern ausgezogen und irgendeiner von den Gottseibeiuns zog hinein, später wurde es abgerissen, offenbar dachte man, wenn man die Bauten abreißt, reißt man auch das kollektive Gedächtnis ein. Nun soll meine Mutter posthum zur Ehrenbürgerin dieser Stadt (deren Bürgermeister schwul sein soll, obwohl er die Biederkeit eines Familienvaters aus den New Yorker suburbs ausdünstet – sind alle deutschen Männer so?) erklärt werden. Ich bin mir nicht sicher, wie ich das finden soll. Man hat mich eingeladen irgendeine Plakette entgegenzunehmen. Ich kenne die Stadt nicht, die so vielen (auch hier in NYC) heute als Mekka gilt, mir ist unheimlich bei dem Gedanken. Es kommt mir nicht nur wie Vergangenheitslästerung vor, dorthin zu reisen, sondern es macht mir regelrecht Angst. Lieber fahre ich eine Rolltreppe hinauf oder hinunter. Dieses Bild zeigt meine bezaubernde Mutter in Shanghai, irgendwann Anfang der vierziger Jahre …Meine Leser wundern sich natürlich, wenn ich sage, ich sei noch nie in Berlin gewesen, denn Blumfeldt, Chinas Ehemann, ist immerhin dort zu Hause (in Berlin ist das deutsche Foreign Office), und wie das bei Diplomaten so ist, müssen sie alle paar Jahre von ihren Posten zurück nach Hause. Bisher allerdings ist es mir immer gelungen, sie in der Welt herumgondeln zu lassen, nachdem sie sich hier in Chinatown an einem ungemütlichen Abend inmitten eines Supermarktes kennenlernten … Blumfeldt war damals erst kurz in NYC. Er wohnte uptown Manhattan und hatte einen Posten beim Generalkonsulat, nichts besonderes, keine machtvolle Position, er war ja noch relativ jung. Er arbeitete unter einem deutschen Generalkonsul, der eine etwas merkwürdige  Ehefrau hatte, die das Personal des Generalkonsulats gern mit ihrem Personal verwechselte. Blumfeldt wurde also nach Chinatown geschickt, um schwarze Hühnchen zu kaufen, die es nur dort gibt.Wer je als Weißer einen chinesischen Supermarkt betreten hat, weiß um den Schock, der Blumfeldt augenblicklich lähmte … (Fortsetzung folgt)

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