Prada Som

Dumbo damals, Rolltreppen heute …

In 1 on 13. April 2010 at 12:59 pm

So sah Dumbo in den 30er Jahren aus, ungefähr um die Zeit, als meine deutschen Großeltern von Berlin nach London zogen und meine chinesischen Großeltern noch nicht ahnten, was aus ihrem Land einmal werden würde und ich noch nicht geboren war. Dieses Photo gibt ungefähr den Blick wieder, den ich habe, wenn ich aus der Eingangstür des Gebäudes trete, in dem ich heute wohne, aber nur ungefähr. Ich muß gestehen, ich freue mich an dieser Gegend jeden Tag ein bißchen mehr, sie ist das, was man früher chic nannte, und das hat nichts mit cool  zu tun, sondern beschreibt die Vereinigung von Geist und Geschmack, von der die meisten Leute heute keine Ahnung haben, die coolen sowieso nicht.

Ach ja, die 30er Jahre … so ungefähr muß meine arme Großmutter in der Erwartung des Schiffes ausgesehen haben, daß sie nach London bringen sollte (und es dann – gottlob – auch tat).Viele sagen ja, man soll die Vergangenheit ruhen lassen und in die Zukunft blicken. Ich habe selten so einen Blödsinn gehört. Als seien wir Menschen übersinnlich begabt und schneller als der Schall. Wir bestehen aus Vergangenheit – der Rest ist Wasser! Vergangenheit bestimmt uns, ob wir das nun schön finden oder nicht. Außerdem hat der Einbezug der Vergangenheit in die Gegenwart etwas mit Würde zu tun, der Würde des Menschen. Das Gelebte, Geliebte, Erlittene außer Acht zu lassen, ist nicht nur purer Zynismus, sondern komplette Idiotie. Aber im Zeitalter der Zwitschereien und des Summens in vermeintlicher Gleichzeitigkeit ist Idiotie wohl selbstverständlich. Wer sich auf meinem Blog tummelt, muß sich jedenfalls Bilder (und Erzählungen) aus der Vergangenheit gefallen lassen. Ich habe kein Interesse an einem Leben als Eintagsfliege. Und China Blumfeldt im übrigen gehört zu den jungen Frauen mit schönen alten Freundinnen – wie Sie das „schön“ für sich füllen, bleibt Ihnen überlassen, wir meinen damit natürlich in erster Linie gut angezogen und intelligent – wer sonst sollte sie mit dem Schatz an Erfahrungen versorgen, die sie in ihrem zarten Alter von 26 unmöglich haben kann (und die sie braucht, um den guten, aber reichlich verschrobenen Blumfeldt regelmäßig aus der nächsten Klemme zu befreien). Ich verabschiede mich für heute, liebe Freunde. Statt Lunch steht bei mir  eine äußerst unangenehme Untersuchung auf dem Programm, die den einzigen Vorteil hat, daß ich durch die Vorbereitung ein paar Pfund schlanker geworden bin. Aber zwei Tage ohne Lunch sind entsetzlich, nicht wahr? Vor allem, wenn ich an das Jing Fong denke … zugegeben, eine etwas proletarische Freßhalle, wo meine exilierten Landsleute das tun, was sie zu Hause auch tun, nämlich rumspucken und Whiskey dazu trinken. Aber die Dim Sums sind so unglaublich gut und noch dazu für New Yorker Verhältnisse geschenkt, und sie werden von aparten chinesischen jungen Frauen auf Rollwagen durch den Saal geschoben, daß es eine Freude ist. Ich verrate etwas hinter vorgehaltener Hand: Manchmal genieße ich Orte wie das Jing Fong in der Elizabeth Street. Und das nicht nur, weil sie mich an Shanghai erinnern, sondern auch, weil ich sicher sein kann, daß mich hier niemand (er-)kennt. Wenn ich bloß nicht diese Phobie vor Rolltreppen hätte. Die zum Jing Fong ist entsetzlich steil und erinnert mich immer an eine Revolutionsoper … „Mit taktischem Geschick den Tigerberg erobert“. O, wie ich Rolltreppen und Revolutionen verabscheue!

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: