Prada Som

Archive for April 2010|Monthly archive page

Was für eine Wolke

In Allgemein on 30. April 2010 at 10:51 pm

Das war eine ausgesprochen merkwürdige Zeit, die mich davon abhielt, meine täglichen Nachrichten aus Chinatown in die Welt zu schicken. Gerade inmitten  des Auftaktes der Erzählung darüber, wie sich China und Blumfeldt kennenlernten, kam die Wolke über die Welt und färbte alles schwarz. Nur Lorenzos Haare kippten ins Gegenteil, und so warf er sich in DRAG und spielte – halten Sie sich fest: mich in Blond.  Lorenzo, hier räkelt er sich tatsächlich in einem Hosenanzug, den Vivienne Westwood extra für mich  entworfen hat , man kann geteilter Meinung über diesen Auftritt sein, jedenfalls hatte sich Lorenzo hinreißen lassen, einige Tage als ICH durch Chinatown zu gehen.  Freunde, die ihn gesehen haben, sprachen ihn tatsächlich an und hielten ihn für mich. Ich bin sehr gespannt, wohin das noch führen wird, wenn die schwarze Vulkanwolke entgültig zerstoben ist … Jedenfalls werde ich nie mehr ROT tragen und nie mehr TEE trinken …Ihnen allen einen wundervollen 1. Mai!

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Was Blumfeldt sah…

In 1 on 16. April 2010 at 11:08 pm

waren entzückende  kleine Schildkröten, wie man sie in Europa aus Tierhandlungen kennt, kleine zauberhafte Panzerträger, braun- und grünfarben, mit gesprenkelten Füßen und feingezeichneten Wangen. Erst als Blumfeldts Blick auf die abgetrennten Leguanpfoten fiel, wurde ihm klar, daß die Bestimmung dieser Schildkröten nicht darin bestand, als Haustier ein so fortgeschrittenes Alter wie möglich zu erreichen. Blumfeldt stand inmitten der feilschenden chinesischen Hausfrauen, die sich darüber beschwerten, daß die Schildkröten zu große Köpfe hätten, und stand wie angenagelt auf der Stelle. Eine Schildkröte nach der anderen wurde aus dem Bassin genommen, auf die Waage gelegt und im Anschluß daran in einen Karton geworfen. Wir Chinesen lieben unser Essen frisch. Manche essen es am liebsten lebendig. Blumfeldt rührte sich immer noch nicht von der Stelle, als eine letzte, einsame Schildkröte übrig blieb …Wollen Sie nun Schildkröten oder Frösche, wurden Stimmen neben ihm laut. Blumfeldt reagierte nicht … Vielleicht war er durch die Betriebsamkeit im Supermarkt paralysiert, vielleicht phantasierte er, vielleicht fehlten ihm die Worte …So starr sah ihn China,

 die reizende, selbstvergessene Freundin der Tiere das erste Mal … (Fortsetzung folgt)

Berlin is calling …

In 1 on 15. April 2010 at 10:03 am

Das ist das Elternhaus meiner Mutter, eingebettet in eine Landschaft aus ästhetischen Reminizenzen, die unauslöschlich mit ihr verbunden sind … die Federblüten, die sie immer an ihren Kostümen trug, die Carrées d’Hermès, die an ihren Handtaschen baumelten, der großzügige Schmuck … die nackte Photographie des Hauses schmerzt mich zu sehr – es stand irgendwo etwas außerhalb von Berlin, der Geburtsstadt meiner Mutter. Ich bin nie dort gewesen. Nachdem sie nach London gezogen ist, wurden ihre Eltern ausgezogen und irgendeiner von den Gottseibeiuns zog hinein, später wurde es abgerissen, offenbar dachte man, wenn man die Bauten abreißt, reißt man auch das kollektive Gedächtnis ein. Nun soll meine Mutter posthum zur Ehrenbürgerin dieser Stadt (deren Bürgermeister schwul sein soll, obwohl er die Biederkeit eines Familienvaters aus den New Yorker suburbs ausdünstet – sind alle deutschen Männer so?) erklärt werden. Ich bin mir nicht sicher, wie ich das finden soll. Man hat mich eingeladen irgendeine Plakette entgegenzunehmen. Ich kenne die Stadt nicht, die so vielen (auch hier in NYC) heute als Mekka gilt, mir ist unheimlich bei dem Gedanken. Es kommt mir nicht nur wie Vergangenheitslästerung vor, dorthin zu reisen, sondern es macht mir regelrecht Angst. Lieber fahre ich eine Rolltreppe hinauf oder hinunter. Dieses Bild zeigt meine bezaubernde Mutter in Shanghai, irgendwann Anfang der vierziger Jahre …Meine Leser wundern sich natürlich, wenn ich sage, ich sei noch nie in Berlin gewesen, denn Blumfeldt, Chinas Ehemann, ist immerhin dort zu Hause (in Berlin ist das deutsche Foreign Office), und wie das bei Diplomaten so ist, müssen sie alle paar Jahre von ihren Posten zurück nach Hause. Bisher allerdings ist es mir immer gelungen, sie in der Welt herumgondeln zu lassen, nachdem sie sich hier in Chinatown an einem ungemütlichen Abend inmitten eines Supermarktes kennenlernten … Blumfeldt war damals erst kurz in NYC. Er wohnte uptown Manhattan und hatte einen Posten beim Generalkonsulat, nichts besonderes, keine machtvolle Position, er war ja noch relativ jung. Er arbeitete unter einem deutschen Generalkonsul, der eine etwas merkwürdige  Ehefrau hatte, die das Personal des Generalkonsulats gern mit ihrem Personal verwechselte. Blumfeldt wurde also nach Chinatown geschickt, um schwarze Hühnchen zu kaufen, die es nur dort gibt.Wer je als Weißer einen chinesischen Supermarkt betreten hat, weiß um den Schock, der Blumfeldt augenblicklich lähmte … (Fortsetzung folgt)

Beretta in leerem Bilderrahmen oder Tücken auf Toast …

In 1 on 14. April 2010 at 11:24 am

Als ich gestern von meinem Spezialisten für Unpäßlichkeiten aller Art kommend die Fifth Avenue hinunterlief, und das Haus von Margaux Lion passierte – sie war leider nicht da, vermutlich hat sie sich wieder bei Bergdorf oder Takashimaya verquaddert und den armen Verkäuferinnen erklärt, was sie alle gar nicht wissen wollen: Daß nämlich ihre Schränke so voll von Vintageklamotten sind, daß sie definitiv in DIESEM Leben nichts mehr braucht, womit sie recht hat, aber muß sie deswegen den armen kleinen Ladenmädchen jeglichen Mut rauben? Und das in dieser großen Depression? – jedenfalls fiel mir wieder ein, als ich an Margaux Haus vorbeikam, daß ich Ihnen unbedingt ein Buch empfehlen  muß, in dem sie vorkommt. Verdeckt natürlich, unter dem Namen Margaux Veil. Woher ich das weiß? Weil die Szene, die in diesem Buch beschrieben wird, der Wirklichkeit entspricht! Und weil ich gewissermaßen auch darin vor, wenn auch nicht sogut dabei wegkomme (vanitas vanitatis) wie Margaux, auch verdeckt natürlich. Ich nämlich bin jene Lily, die sich irgendwann feige verdrückt, als die Luft in dem Lockwist-Apartment stickig wird. Wenn den Roman nicht eine gute Freundin von mir geschrieben hätte, wäre ich natürlich mehr als indigniert über eine solche Einschätzung  meiner Person gewesen, aber Barbara Bongartz hat mich vorher gefragt, ob ich etwas dagegen hätte … Margaux hat sie natürlich auch gefragt … Margaux hat sich halb totgekichert (es ist erstaunlich, daß sie ihr Leben lang ein Mädchen geblieben ist, und das nach allem, was ihre Familie durchmachen mußte oder nicht mehr durchmachen durfte, bis heute weiß ich nicht, was besser ist – ist überleben wirklich so „gut“!?), vor allem über diese Szene mit den „eingesackten Canapés“ (also ist Überleben doch gut!) … nun, Ihr Lieben, der Rest stimmt leider auch, die Sache mit dem Vuillard, der von den Gottseibeiuns gestohlen worden ist, Margaux Verschleppung als Mädchen – ja, genau, deswegen schiebt sie sofort die Ärmel ihres Kleides wieder herunter, wegen der verdammten Nummer, die sie sich übrigens nie hat entfernen lassen, wie manche Kretins das gern hätten) und leider auch der Selbstmord ihres Ehemanns. Ich kenne Margaux schon sehr, sehr lange. Unsere Mütter waren als Kinder befreundet, sie hatten in Berlin damals Unterricht bei derselben Lehrerin, gemeinsam, sie teilten sich ein Pferd und die Leidenschaft für Hüte, wie man auf diesem Photo unschwer sehen kann. Das alles war lange, bevor die Gottseibeiuns die Welt mit ihrem primitiven Haß, ihrer rohen Vulgarität und und ihrer dumpfen Gnadenlosigkeit überschwemmen durften. Margaux‘ Mutter,  Amelie Ehrenreich, née Schiff kam dabei ums Leben (was im Roman nicht gesagt wird, man sich aber denken kann). Meine Mutter wurde rechtzeitig nach London geschickt. Wie kam ich jetzt darauf? Ach, ja, gestern abend ging ich also an ihrem Haus vorbei, und da fiel mir ein, daß ich diesen Roman empfehlen muß. Er heißt PERLENSAMT und sieht leider so aus: ein Cover, das der Erzählung wirklich nicht gerecht wird. Ich habe dieser ästhetischen Idiotie noch ein bißchen mehr Zeug beigefügt, nämlich einige Stücke aus meiner bangle-Kollektion. Die meisten davon sind von Rainer NYC (www.rainernyc.com), einem absolut chicen Schmuck- und Möbeldesigner aus Dumbo, es sind aber auch einige Erbstücke aus Elfenbein dabei, die meine Mutter mir vermachte. Ich verspreche Ihnen, liebe Freunde und Freundinnen ein ganzes Kapitel über bangles – ich liebe bangles, bin ähnlich verrückt nach ihnen wie Nancy Cunard – allerdings habe ich immer noch nicht ganz ausgepackt, ich lebe immer noch aus Kisten und Koffern und muß auch hier um Geduld bitten, ein wenig Geduld.  Lesen Sie, liebe Freunde und Freundinnen, inzwischen PERLENSAMT, wenn Sie damit fertig sind, bin ich mit dem Auspacken der Kisten auch fertig. Warum die Bangles zu Perlensamt, die Kette, das ganze Arrangement? Also wenn man schon so dämliche Motive auf ein Buchcover setzt, Motive, die auf den Inhalt verweisen sollen, dann kann man ja auch noch mehr abbilden. Schmuck zum Beispiel, weil Martin Saunders, der Ich-Erzähler (und ein Freund von Margaux), Juwelenexperte ist. Das Auktionshaus Nobble NYC ist übrigens eine Erfindung von Barbara Bongartz (kurz: BB, wie wir sie nennen, Sie finden alles zu ihrem Werk und ihrer Person auf www.barbarabongartz.de), wie auch der Rest der Geschichte, die durchaus ihre Tücken hat. Und nun: auf zum workout. Es scheint ein herrlicher Morgen zu werden. Ihnen allen, liebe Freundinnen und Freunde, einen wunderbaren Tag.

Dumbo damals, Rolltreppen heute …

In 1 on 13. April 2010 at 12:59 pm

So sah Dumbo in den 30er Jahren aus, ungefähr um die Zeit, als meine deutschen Großeltern von Berlin nach London zogen und meine chinesischen Großeltern noch nicht ahnten, was aus ihrem Land einmal werden würde und ich noch nicht geboren war. Dieses Photo gibt ungefähr den Blick wieder, den ich habe, wenn ich aus der Eingangstür des Gebäudes trete, in dem ich heute wohne, aber nur ungefähr. Ich muß gestehen, ich freue mich an dieser Gegend jeden Tag ein bißchen mehr, sie ist das, was man früher chic nannte, und das hat nichts mit cool  zu tun, sondern beschreibt die Vereinigung von Geist und Geschmack, von der die meisten Leute heute keine Ahnung haben, die coolen sowieso nicht.

Ach ja, die 30er Jahre … so ungefähr muß meine arme Großmutter in der Erwartung des Schiffes ausgesehen haben, daß sie nach London bringen sollte (und es dann – gottlob – auch tat).Viele sagen ja, man soll die Vergangenheit ruhen lassen und in die Zukunft blicken. Ich habe selten so einen Blödsinn gehört. Als seien wir Menschen übersinnlich begabt und schneller als der Schall. Wir bestehen aus Vergangenheit – der Rest ist Wasser! Vergangenheit bestimmt uns, ob wir das nun schön finden oder nicht. Außerdem hat der Einbezug der Vergangenheit in die Gegenwart etwas mit Würde zu tun, der Würde des Menschen. Das Gelebte, Geliebte, Erlittene außer Acht zu lassen, ist nicht nur purer Zynismus, sondern komplette Idiotie. Aber im Zeitalter der Zwitschereien und des Summens in vermeintlicher Gleichzeitigkeit ist Idiotie wohl selbstverständlich. Wer sich auf meinem Blog tummelt, muß sich jedenfalls Bilder (und Erzählungen) aus der Vergangenheit gefallen lassen. Ich habe kein Interesse an einem Leben als Eintagsfliege. Und China Blumfeldt im übrigen gehört zu den jungen Frauen mit schönen alten Freundinnen – wie Sie das „schön“ für sich füllen, bleibt Ihnen überlassen, wir meinen damit natürlich in erster Linie gut angezogen und intelligent – wer sonst sollte sie mit dem Schatz an Erfahrungen versorgen, die sie in ihrem zarten Alter von 26 unmöglich haben kann (und die sie braucht, um den guten, aber reichlich verschrobenen Blumfeldt regelmäßig aus der nächsten Klemme zu befreien). Ich verabschiede mich für heute, liebe Freunde. Statt Lunch steht bei mir  eine äußerst unangenehme Untersuchung auf dem Programm, die den einzigen Vorteil hat, daß ich durch die Vorbereitung ein paar Pfund schlanker geworden bin. Aber zwei Tage ohne Lunch sind entsetzlich, nicht wahr? Vor allem, wenn ich an das Jing Fong denke … zugegeben, eine etwas proletarische Freßhalle, wo meine exilierten Landsleute das tun, was sie zu Hause auch tun, nämlich rumspucken und Whiskey dazu trinken. Aber die Dim Sums sind so unglaublich gut und noch dazu für New Yorker Verhältnisse geschenkt, und sie werden von aparten chinesischen jungen Frauen auf Rollwagen durch den Saal geschoben, daß es eine Freude ist. Ich verrate etwas hinter vorgehaltener Hand: Manchmal genieße ich Orte wie das Jing Fong in der Elizabeth Street. Und das nicht nur, weil sie mich an Shanghai erinnern, sondern auch, weil ich sicher sein kann, daß mich hier niemand (er-)kennt. Wenn ich bloß nicht diese Phobie vor Rolltreppen hätte. Die zum Jing Fong ist entsetzlich steil und erinnert mich immer an eine Revolutionsoper … „Mit taktischem Geschick den Tigerberg erobert“. O, wie ich Rolltreppen und Revolutionen verabscheue!

EINE NEUE RECHERCHE…

In 1 on 12. April 2010 at 8:43 pm

… auf den Spuren von China Blumfeldt hat mich in die Canal Street getrieben, in das Mekka der Billig-Touristen, die sich allerlei „counterfeit goods“ andrehen lassen.  Es war ein wunderbarer Aprilmorgen. Ich hatte vor, ein paar alte Bekannte zu besuchen, mich umzuhören, wer in meiner Abwesenheit das Kommando übernommen hat, wer die fliegenden Händler kontrolliert – und ging gerade in eine der Kojen hinein, die oft mit schwarzen Molton verhängt sind, als ein schriller Pfiff ertönte, mich jemand an der Schulter packte und mir plötzlich schwarz vor Augen wurde. Ich wachte dann im Hinterzimmer einer Bar wieder auf, die obenstehende Photographien schmückten.

Ich war sehr beeindruckt, mehr noch, als sich herausstellte, daß es sich um eine Art neues Speakeasy handelte … und die Einrichtung erinnerte mich einmal mehr an meine geliebte Freundin Tina Chow …

bei der Gelegenheit fällt mir ein: Wir sind ganz hingerissen von den vielen freundlichen Stimmen, dem Interesse und den Nachfragen, wann die ersten Krimis, in denen China Blumfeldt die Ministerien der Auswärtigen Angelegenheiten aufs Kreuz legt, auf Deutsch und Englisch erscheinen. Liebe Freunde, wir bemühen uns, die Verhandlungen mit verschiedenen Verlagen schreiten fort, aber gerade in Deutschland gestaltet sich die Unternehmung doch etwas schwerer als gedacht.

Hier als Trost für alle, die ungeduldig warten, ein weiteres Photo der hinreißenden China …